PASSAGEN & METAMORPHOSEN eine gemeinschaftsausstellung NANETTE LOHMANN & STEPAN GANTRALYAN Vernissage: 06.03.2026, 19-21 Uhr Konzert: 14.3.2026, 19:30 Uhr LIEDERREISE mit STEPAN GANTRALYAN Finissage: 20.03.2026, 18-20 Uhr

Zum Künstler

STEPAN GANTRALYAN

Stepan Gantralyan wurde 1963 in Yerevan/ Armenien geboren. Er studierte dort Regie und Schauspiel, Germanistik und Kulturwissenschaften. Durch zwei Goethe-Stipendien ist er nach Deutschland gekommen, wo er seit 1999 lebt und unter anderem als Schauspieler, Sänger-Liedermacher und Maler tätig ist.

Seine ersten Ausstellungen hatte schon in Yerevan. In den Letzen Jahren hatte er viele Soloausstellungen auch in Berlin: u. a. bei der „Lange Nacht der Bilder“2013 im Café-Museum Sibylle, bei „Oase“ e.V. Berlin, im Berliner Kieztreff „Falkenbogen“, in der Galerie Salon Halit Art, usw.

Die Kunst von Stepan Gantralyan ist mehr als ein Dialog zwischen Farbe und Form – sie ist ein poetischer Raum, in dem Erinnerung, Emotion und Vision ineinanderfließen. Seine Bilder tragen die Handschrift einer inneren Suche: jede Linie, jede Schicht, jede Farbe ist Spur und Offenbarung zugleich.

Synästhesie als ästhetische Strategie der Transformation

Im Zentrum der aktuellen Werkphase von Stepan Gantralyan steht der Begriff der Synästhesie – nicht als metaphorische Anspielung, sondern als grundlegendes ästhetisches Strukturprinzip. Seit zwei Jahren bildet er die konzeptuelle Matrix seiner künstlerischen Arbeit. Gantralyans Position speist sich aus drei Disziplinen: Musik, Malerei und Theater. Bevor er sich der bildenden Kunst widmete, war er Schauspieler – das Theater ist nicht Episode, sondern Wesensgrundlage seiner künstlerischen Existenz. Auch wenn er derzeit nicht auf der Bühne steht, bleibt das theatrale Denken prägend: Bühne, Rolle, Maske, Präsenz, Verwandlung. Diese Herkunft ist entscheidend. Denn seine Malerei ist nicht rein visuell gedacht, sondern performativ. Jedes Bild trägt ein Moment der Inszenierung in sich. Fläche wird zur Bühne, Farbe zur Geste, Komposition zur dramatischen Struktur.

Als Musiker und Theaterschauspieler entwickelt Gantralyan ein transmediales Bewusstsein, in dem sich Ausdrucksformen gegenseitig durchdringen. Was sich nicht durch körperliche Darstellung artikulieren lässt, transformiert sich in Klang. Wo der Klang an seine Grenze gelangt, beginnt die Farbe. Musik endet nicht – sie schlägt um in visuelle Energie. Farbe ist geronnene Bewegung, sedimentierte Zeit. Seine abstrakten Arbeiten folgen daher keiner rein formalen Logik, sondern einer dramaturgischen. Verdichtungen wirken wie Spannungsaufbau, Brüche wie szenische Zäsuren, Überlagerungen wie dialogische Konstellationen. Die Leinwand wird zum Resonanzraum, zum Ort einer stillen Aufführung. In den Landschaften verschiebt sich diese Dramaturgie in innere Räume. Es sind keine naturalistischen Ansichten, sondern psychische Bühnenbilder – Atmosphären, die weniger Ort als Zustand sind.

Besonders deutlich wird das theatrale Fundament in den wiederkehrenden Motiven von Clowns, Narren und venezianischen Masken. Diese Figuren sind keine dekorativen Elemente, sondern existentielle Chiffren. Die Maske ist im Theater niemals bloße Verhüllung; sie ist Verdichtung. Sie macht sichtbar, indem sie verbirgt. Der Narr ist Grenzgänger zwischen Wahrheit und Spiel, zwischen Offenbarung und Schutz. Hier kulminiert das synästhetische Prinzip: Identität erscheint nicht statisch, sondern als Übergang – als permanenter Wechsel zwischen Innen und Außen, Klang und Stille, Sichtbarkeit und Geheimnis.

Die Ausstellung zeigt eine künstlerische Position, die das Bild als Bühne begreift – als Ort, an dem sich Wahrnehmung, Identität und Ausdruck in einem fortwährenden Prozess der Verwandlung befinden.

Zur Künstlerin

Nanette Lohmann

Nanette Lohmanns Bilder verstehen sich als mystische Naturbetrachtungen.

Als ihre Einflüsse nennt sie die Fauves und Impressionisten, aber auch die psychedelische Malerei der 60er und 70er sowie Surrealist*innen wie Leonora Carrington, Max Ernst und Remedios Varo.

„Inability to accept the mystic experience is more than an intellectual handicap. Lack of awareness of the basic unity of organism and environment is a serious and dangerous hallucination. For in a civilization equipped with immense technological power, the sense of alienation between man and nature leads ot he use of technology in a hostile spirit—ot he “conquest” of nature instead of intelligent co-operation with nature.” – Alan Watts
Übersetzung des Zitats:
Die Unfähigkeit, die mystische Erfahrung zu akzeptieren, ist mehr als ein intellektuelles Handicap. Das fehlende Bewusstsein für die grundlegende Einheit von Organismus und Umwelt ist eine ernsthafte und gefährliche Halluzination. Denn in einer Zivilisation, die mit enormer technologischer Macht ausgestattet ist, führt das Gefühl der Entfremdung zwischen Mensch und Natur zum Einsatz von Technologie in einem feindlichen Geist zur Eroberung der Natur statt zur intelligenten Zusammenarbeit mit der Natur.“ Alan Watts

Dieses Zitat ist nach Auffassung der Künstlerin eine gute Zusammenfassung dessen, was sie als Motivation und Ziel ihrer Kunst sieht – das sich Wiedereinfinden in die Natur in dem Bewusstsein, eins mit ihr zu sein.